Literarisches

DICH LIEBEN

 

Aug' in Auge, hautnah wollte ich dich lieben,

hab' gedacht, ich könnt' mit dir mich selbst besiegen.

 

Ich wollt' die Freiheit alles Sinnlichen erkunden,

an der Nähe, dem Gefühl, unserem Sein gesunden.

Das war der Schlüssel, um mich selbst zu lieben,

nun ist das Grau zu kühler Tage mir geblieben.

 

Nimmersatte Tränen streicheln meine Wangen,

beinahe so, als würden sie um meine Seele bangen.

Ich streichle sie und tröste ihre Sorgen,

denn du bleibst in meiner Nacht geborgen.

 

MW 26.09.2016

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Fortschreitend auf unseren Lebenswegen malen wir kunstvolle Arabesken auf die rahmenlose Leinwand des Daseins. Phantastische Spuren gelebter Exzentriken neben Rußflecken einsam durchgrübelter Nächte. Auf einem Grund aufschwimmender Erinnerungen ziehen unsere Abenteuer die schärfsten Formen, all die Pläne und Hoffnungen skizzieren sich in zaghaft angelegten Konturen.
Wie viele Geheimnisse bergen sich in diesen Arabesken? Wollten wir sie lüften, würde sich der Kosmos überschlagen!

MW 26.10.2016

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EIN TAG IST NUR EIN TRAUM, DER NICHT AUFWACHEN WILL
und im Traum träumt er den Moment seines Erwachens.

Entseelt, vernetzt
an Apparaturen angeschlossen,
austherapiert und gehorsam gemacht -
mündiger Menschenlaich,
gestrandet am Ufer
seines einundzwanzigsten Jahrhunderts.

MW 28.08.2016

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Das Malen ist ein kühner Sturz in die Zweidimensionalität, bei dem auf einen Schlag klar wird, dass dahinter ein unerschöpflicher Raum des Erlebens und Erleidens liegt. In diesem Raum malerischer Schöpfung sind Wanderschaften zu den entlegendsten Orten der Imagination und der Erinnerung möglich. Und dann, nach der Rückkehr, schimmern seine Spuren in den Farben der Leinwand.

MW 28.06.2016

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Rot und Endlichkeit
Leben nach Sucht
Blau aus Leidenschaft
Kein Zurück
Tiefgrau.

Blicke im Bild,
Kein Lächeln gestillt.
Unvertrauen:
Gelb und Ende
Zeitenwende.

MW 31.05.2016

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In den Schwärzen der Höhle lauernd,
drauf wartend, dass jemand mich ruft,
über tiefe Einsamkeit trauernd
und hoffend, dass jemand mich sucht -

Ringsum schweigt pulsierender Stein,
fernes Tageslicht ummäntelt mich mit Angst.
Ich bin Echo, die Antwort auf dein Sein
und wiederhole, was DU von mir verlangst.

MW 28.05.2016

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Minute für Minute Stunde für Stunde Jahr für Jahr
dem Hier und Jetzt
entfremdet?
SEIN!

ICH-Maske
Gaukler-DU
Schauspiel-WIR
UNS-Maskerade

Hast du schon einmal einen Taubstummen angeschrien
oder einen Stein erschlagen?
Verzweiflungstaten
um zu leben.

MW 16.05.2016

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Unaufhörliche Flucht der Zeit:
Verlust an Nachdenk-, Verstehens-, Gedenk-, Genuss-, Körper- und
GefühlsZeit: Verlust der Lebenszeit

- reißt Wunden ins Sein, die irreversibel bleiben.
Zeitverlustig darben Expression, Jetztheit und mein "ich BIN" dahin,
verschwinden im Archiv und verlieren ihr Gesicht.
Je schon war ich hinfort gesprintet, habe die Knospen mit meinen kräftig-ambitionierten Tritten zerstört.

Fassadenexistenz resultiert. Will geduldig funktionieren, zeitlos dauern
aber jenseits des Atmens.
Gerinnung Ich
Schorf Hirn
Mauer vor Weitsicht

Stundenglasakrobatik.

MW 25.02.2016


Kunst hat etwas Wesentliches mit dem Menschen gemeinsam: sie verkümmert ohne jene, die bereit sind, ihr ernsthaft zuzuhören.